Wer viel auf Reisen ist und häufig Nächte in Hotels verbringt, wird die Situation kennen. Man möchte eigentlich nur mal schnell seine letzten Mails und die letzten Nachrichten auf Spiegel Online lesen und mal gucken, ob einer der Freunde gerade bei Skype online ist. Die meisten Hotels haben ja heute WLAN. Und da fängt das Übel dann auch schon an: Kostenlos?
Mobil surfen - warum eigentlich (nicht)?
Nun, umsonst ist bekanntlich der Tod, und so ist auch kostenlose WLAN-Benutzung in Deutschlands Hotels eher selten. Statt dessen muss man je nach Anbieter für zwei Stunden Surfen schon mal 6 Euro, manchmal sogar 10 Euro oder noch mehr einrechnen. Und leider hilft es auch nicht wirklich weiter, treuer Kunde der Telekom zu sein, um ein eventuelles HotSpot-Minutenbudget auszukosten, welches vielleicht im Mobiltelefonpreis inbegriffen ist. Denn auf dem WLAN-Markt in den deutschen Hotels tummelt sich eine bunte Vielfalt von Anbietern, deren Preise stark variieren und deren Guthaben selbstredend untereinander nicht austauschbar sind.
Ich habe lange mit mir gerungen, was ich dafür tun könnte, trotz meines Jobs mit meinen Freunden besser Kontakt zu halten. Ich habe sie mit meterlangen E-Mails bombardiert, ich habe meine Mobiltelefonrechnung an die Grenze der Vertretbarkeit nach oben getrieben - und dann habe ich Skype für mich entdeckt und festgestellt, dass diese kleine Tool meine Probleme eigentlich löst. Zusammen mit meinem kleinen Notebook mit eingebauter Webcam bildet Skype die ultimative Kommunikationsmaschine. Eine Freundin in Australien mal eben wiedersehen? Kein Problem. Mit dem Kumpel ein Bier zischen - kein Problem, Skype wird dazu zum 400 Kilometer langen Tresen. Einzige Voraussetzung - man benötigt einen Internet-Zugang.
Fehlversuch in Pink
Dann sah ich irgendwann im Zug jemanden mit einer UMTS-Karte surfen. UMTS - irgendwie klingt bereits die Abkürzung teuer. Wir haben so eine Karte in der Firma - ich traue mich nie, sie zu benutzen, weil ihr der Ruf anhaftet, Euros im Minutentakt zu verbrennen. Egal - ich wage den Weg in den nächsten T-Punkt und frage nach einer Vertragsoption für meinen laufenden Mobilfunkvertrag. Ich hatte mir eine zweite SIM-Card vorgestellt, plus irgendeiner Pauschale oder idealerweise Flatrate für einen vertretbaren Preis. Da war ich aber offenbar an die Falschen geraten. Eine Vertragsoption gibt es überhaupt nicht, statt dessen hätte ich einen zusätzlichen Vertrag mit einer Mindestlaufzeit von 2 Jahren abschließen müssen. Der hätte mich dann monatlich zwischen 25 und 35 Euro gekostet - je nach gewünschtem Inklusiv-Volumen. Eine "echte" Flatrate war für mich als Privatperson quasi nicht bezahlbar. Also habe ich die Margenta-Häuptlinge mit hängenden Schultern verlassen und wollte den Gedanken an einen preiswerten Internetzugang auf meinen Reisen schon begraben.
Fremdsurfen beim Marktführer
Dann fiel mir in einer Zeitung ein kurzer Artikel ins Auge, in dem bekanntgegeben wurde, die Firma FONIC hätte einen UMTS-Stick im Programm, der zusammen mit einer Prepaid-Tagesflatrate angeboten würde. Der Stick kostet etwa 80 Euro, die Tagesflatrate 2,50 Euro. Man muss vorab sein Mobilkonto aufladen, dann kann man sein Guthaben leersurfen. Man bezahlt ab dem Beginn der Nutzung bis 24.00 Uhr des laufenden Tages 2,50 Euro. Wirklich einschränkende Bandbreiten- oder Mengenlimits gibt es nicht, auch die bei der Telekom explizit ausgeschlossene Nutzung für Internet-Telefonie ist in den Vertragsbedingungen nicht aufgeführt. Ich dachte mir: Das ist mein Tarif! Innerhalb weniger Minuten hatte ich das Teil auf der Homepage von Fonic bestellt, und drei Tage später erhielt ich tatsächlich ein kleines Paket mit dem UMTS-Surfstick und meiner SIM-Card. Die Ironie an der ganzen Geschichte ist, das FONIC ein Tochterunternehmen von O2 ist. Die wiederum haben einen Kooperationsvertrag mit T-Mobile und nutzen deren Netzwerkinfrastruktur, wo keine eigene vorhanden ist. So surfe ich also letztlich doch bei T-Mobile - bezahle aber nur einen Bruchteil dessen, was mir im T-Punkt angeboten wurde.
Erste Schritte...
Im Artikel, den ich gelesen hatte, wurde als einziger Kritikpunkt die schlechte Qualität der mitgelieferten Software bei FONIC bemängelt. Mir fehlen hier echte Vergleichsmöglichkeiten - ich beschreibe einfach mal kurz meine Erfahrungen. Die Software befindet sich auf dem Surf-Stick, welcher beim ersten Einstecken in den Computer als CD-ROM erkannt wird. Die Software sollte eigentlich automatisch starten, aber offenbar hatte man den Bootloader des CD-ROM-Images nicht korrekt konfiguriert. Egal, ein Doppelklick auf das Setup startete die Einrichtungsroutine, die reibungslos und ohne kryptische Rückfragen irgendetwas auf meinem Computer installierte. An einer Stelle gönnte sie sich eine lange Denkpause, die ich als einigermaßen erfahrener Computerbenutzer jedoch geduldig ausgesessen habe. Anschließend verschwand das "CD-ROM" aus meiner Laufwerkskonfiguration und auf dem Desktop wurde das Symbol eines neuen Programms mit dem Namen Mobile Partner angezeigt. Das Programm startet problemlos, die Bedienung erweist sich ebenfalls als weitgehend idiotensicher. Möglich, dass andere Programme für den gleichen Anwendungszweck mehr bieten - dieses hier tut jedenfalls, was man von ihm erwartet.
Auf meiner nächsten Reise von Salzburg nach Berlin, für die ich anstelle des eigentlich obligatorischen Flugzeugs diesmal die Bahn benutze, kann ich meine neue Errungenschaft gleich mal ausprobieren. Bereits kurz hinter Salzburg befindet sich der Zug wieder im Einzugsbereich deutscher Mobilfunknetze. Also packe ich meinen Rechenknirps aus, stecke den Surf-Stick ein und starte Mobile Partner. Ich werde aufgefordert, meine PIN einzugeben, und nach einigen Augenblicken meldet mir das Programm, ich sei jetzt an einem UMTS-Netz von T-Mobile angemeldet. Ich wähle im Programm die Option "Verbindung mit dem Internet", und schon blinkt der Stick nicht mehr blau, sondern zeigt durch permanentes blaues Leuchten an, das er nun surfbereit ist. Neugierig öffne ich meinen Firefox und hier meine eigene Homepage - und bin verblüfft. Die Seite baut sich scheinbar genauso schnell auf wie zu Hause.
...und Erfahrungen
Tatsächlich hat HDSPA eine Bandbreite von bis zu 3.6 MBit/s, was in etwa der eines guten DSL-Anschlusses entspricht. Leider steht UMTS bzw. HSDPA nicht flächendeckend in ganz Deutschland zur Verfügung, wie ich auf meiner Reise noch oft feststellen muss. In Ballungsräumen und vielen Städten bucht sich der Surf-Stick sofort bei Verfügbarkeit in das jeweilige UMTS-Netz ein. Sonst verwendet er GPRS, womit man in etwa Modem-Geschwindigkeit erreicht. Immernoch in Ordnung, wenn man einfach nur eine Mail versenden will. Richtig flüssig surfen kann man damit jedoch nicht. Und beim Wechsel zwischen beiden Netztypen gibt es immer wieder Unterbrechungen, die auch mal ein paar Minuten dauern können. Man sollte definitiv keine kritischen Tätigkeiten im Netz ausführen, die eine permanente und stabile Internet-Verbindung erfordern, wenn man sich in fahrenden Zügen befindet. Auch Skype scheint manchmal verwirrt zu sein, ob man denn nun online ist oder nicht - vermutlich, weil man alle paar Minuten mit einer anderen IP-Adresse unterwegs ist.
Dennoch - das Surfen abends im Hotel funktioniert nun völlig problemlos. Wenn UMTS vorhanden ist, kann man ohne Schwierigkeiten auch die Videoübertragung bei Skype aktivieren. Und selbst im Ausland braucht man keine Angst haben, dass die sonst so gefürchtete UTMS-Kostenfalle zuschnappt. Hier gilt nämlich nicht die 2,50 Euro-Tagespauschale, statt dessen wird volumenbasiert abgerechnet. Und wenn man denn wirklich man eine wichtige Mail lesen will, kann man das auch in Österreich oder der Schweiz oder wo auch immer riskieren. Denn wenn das Guthaben auf dem Prepaid-Konto aufgebraucht ist, schaltet der Stick automatisch auf offline. Es droht also keine 800 Euro-Telefonrechnung für ein Windows-Update über UMTS.
Fazit: Auch wenn die Verbindung unterwegs gerne mal zusammenbricht, ist der Surf-Stick auf jeden Fall sein Geld wert. Und das Schöne an ihm ist: Wenn ich ihn nicht brauche, kostet er mich auch nichts.
