Alles hat ein Ende...aber das es so schnell kommen musste, hatte ich nicht erwartet. Letztes Jahr hatte ich mich nach längerem Zögern entschlossen, mir auch eins von diesen Netbooks zu kaufen. Es wurde ein Acer Aspire One 150X - eines der ersten Netbooks mit Windows XP und großer Festplatte. Und nun - kein Jahr später - steht schon ein Nachfolger vor mir: Der Acer Aspire One 751.
Die Vorgeschichte
Ich hatte den Kauf meines ersten Netbooks niemals bereut - das kleine und leichte Teil begleitete mich auf meinen Reisen, ohne mir besondere körperliche Kondition abzuverlangen oder das Gepäck aufzublähen. OK, es gab ein paar Dinge, an die man sich bei dem Winzling erst gewöhnen musste. Die Akkulaufzeit war mit etwa 2,5 Stunden nicht besonders großzügig bemessen, die ungewöhnliche Displayauflösung von 1024x600 machte die Nutzung von einigen Applikation nicht gerade leichter, und insbesondere der oft laufende Lüfter nervte ein wenig. Aber das tat der Liebe keinen Abbruch. Bis gestern. Auf dem Weg von Berlin nach Frankfurt hatte ich noch schnell ein paar Artikel bearbeitet, den Kleinen ohne Probleme heruntergefahren. Abends im Hotel wollte ich dann weiterarbeiten - aber der Rechenzwerg gab kein Lebenszeichen mehr von sich. Die Ursache zu ermitteln ist ein Projekt, dass in den kommenden Tagen noch auf mich wartet. Leider hat Acer - wohl aus Kostengründen - das Gehäuse recht unzugänglich konstruiert, so dass gar nicht so leicht an die Innereien - insbesondere die Festplatte - heranzukommen ist.
Wie auch immer, kurz entschlossen nutzte ich also heute die verbleibende Stunde vor Abfahrt meines Zuges, stattete Saturn einen Besuch ab und machte mich schlau, was der Markt an Netbooks momentan so hergibt. Die Auswahl ist viel größer geworden im letzten halben Jahr, die meisten Hersteller haben drei, vier oder noch mehr unterschiedliche Modelle am Markt, was die Entscheidung nicht gerade leichter macht. Da ich grundsätzlich mit dem Acer zufrieden war, konnte ich mir vorstellen, der Marke treu zu bleiben. Und dann fiel mir das Acer Aspire One 751 ins Auge - vor allem wegen der angepriesenen Akku-Laufzeit von mehr als 8 Stunden und des für die Geräteklasse großen Displays. Und der Preis von 449,00 Euro klang fair, so schlug ich also kurz entschlossen zu. Und weil ich ein ungeduldiger Mensch bin, steht's hier im ICE auf dem Rückweg nach Berlin auch schon vor mir und muss seine erste Feuerprobe beim Schreiben dieses Artikels bestehen.
Gehäuse und Anschlüsse
Der Acer Aspire One 751 ist in vier Farben lieferbar: Blau, Rot, Schwarz und Weiß. Ich musste mich nicht zwischen ihnen entscheiden - er war nur in Schwarz auf Lager. Deckel und Rand des Displays sind also in Klavierlack-Optik glänzend schwarz gehalten. Es wird sich zeigen, wie empfindlich die Oberfläche ist, wann sich die ersten Kratzer zeigen. Die Tastaturumrandung kommt anthrazit-silbergrau daher, was mit mit dem Schwarz des restlichen Gehäuses gut harmoniert und dem Gerät ein überraschend hochwertiges Aussehen verleiht - man könnte beinahe schon von edel sprechen. Zusammengeklappt ist der Acer etwa zweieinhalb Zentimeter hoch und damit viel flacher als der Aspire One 150. An der Front befinden sich links zwei kleine Schalter zum Deaktivieren von WLAN und Bluetooth. Die rechte Gehäuseseite bietet einen CardReader für die heute üblichen Kartenformate (SD, MMC, xD), einen USB-Anschluss sowie die Anschlussmöglichkeit für einen externen VGA-Monitor. Auf der linken Gehäuseseite befinden sich Kopfhörer- und Microfonanschluss, zwei weitere USB-Anschlüsse und der RJ-45-Anschluss für 100 MBit-Ethernet. LAN- und VGA-Anschluss sind praktischerweise leicht nach hinten abgewinkelt, so dass hier angeschlossene Kabel gleich aus der Reichweite des Benutzers laufen und für Bewegungsfreiheit links und rechts neben dem Gerät sorgen. Benutzer einer externen Maus wird dieses kleine Feature freuen.
Nach der Panne mit seinem Vorgänger habe ich sofort nach dem Auspacken das Gehäuse auf Wartungsmöglichkeiten hin untersucht. Und tatsächlich, anders als beim Aspire One 150 ist sind beim Aspire One 751 Arbeitsspeicher, Festplatte und die WLAN-Karte jeweils hinter einer Klappe verborgen, so dass diese Komponenten offenbar ohne komplette Demontage des Rechners ausgetauscht oder erweitert werden können.
Insgesamt macht das Gehäuse also einen stabilen und ziemlich hochwertigen Eindruck.
Display, Touchpad und Tastatur
Das ist mit seiner Auflösung von 1366x768 Punkten und der hellen LED-Hintergrundbeleuchtung darf man als absolut vollwertig bezeichnen. Anders als bei den meisten anderen Netbooks muss man keine Angst haben, dass Dialogfenster von manchen Applikationen nicht auf den Bildschirm passen könnten. Es handelt sich zwar - wie in der Preisklasse üblich - um ein verspiegeltes Display, aber die Helligkeit und der Kontrast lassen das Arbeiten damit nicht zur Qual werden. Wenngleich es irgendwie - schwer zu beschreiben - ein klein wenig unscharf wirkt. Aber das mag auch täuschen.
Wirklich beeeindruckend ist die Tastatur des Acer. Zum einen handelt es sich nicht um eine von diesen stark verkleinerten Netbook-Tastaturen, alle Tasten haben die volle, standardkonforme Breite. Man kann also von normalen Desktoptastaturen umsteigen, ohne beim Blind-Schreiben stets zwei Tasten auf einmal zu drücken. Die Tasten sind flach und vom Design ähnlich aufgebaut wie man es von Apple und SONY in ihren aktuellen Geräten gewohnt ist. Und - was insbesondere beim Reisen sehr angenehm ist: Die Tastatur ist unheimlich leise, so dass auch in einem vollen Bahnwaggon niemand vom Klappern der Tasten genervt wird.
Erfreulich und für mich unerwartet beim doch geringen Preis hat Acer in den Aspire One 751 ein Touchpad eingebaut, welches Zweifingerbedienung zulässt. Also kann man nunmehr wie beim Apple iPhone durch Spreizen der Finger Inhalte vergrößern und durch Schieben mit zwei Fingern scrollen. Ob man das wirklich braucht, sei mal dahingestellt - aber es ist zumindest cool. Nicht so cool wirken die beiden Maustasten, die sich unter einer gemeinsamen Leiste unterhalb des Touchpads verbergen und eher schlecht zu bedienen sind. Also freundet man sich wohl besser mit den Klick-Funktionen des Touch-Pads an oder hält es wie ich als konservativer Benutzer: Ich schließe eine externe Maus an.
Zusammengefasst würde ich für die Bedienelemente also auch gute Noten geben - zweifelsfrei kann man mit diesem Gerät professionell arbeiten, die Tastatur ist meilenweit von den fummeligen Mini-Ausführungen der ersten Netbooks entfernt.
Unter der Haube
Das Herz des Aspire One 751 ist wie bei seinen Vorgängern ein Intel Atom-Prozessor, in meinem Modell schlägt ein Atom Z520 Ein-Kern-Prozessor mit 1.33 GHz. Verbaut ist weiterhin 1 GByte Arbeitsspeicher, als Grafikkarte muss Intels I500 Chipsatzgrafik herhalten. Alles zusammen sicher nicht unbedingt die technischen Daten eines aktuellen Hochleistungs-PCs, aber für zügiges Bearbeiten von Texten unterwegs sicher allemal genug. Zumal die sparsame Gesamtkonfiguration glauben macht, dass die angepriesenen 8 Stunden Akkulaufzeit mit dem verbauten 6-Zellen-Akku wirklich erreichbar sind. Schön außerdem, dass der Kleine dabei im laufenden Betrieb nicht mit einem lauten Lüfter nervt und trotzdem ziemlich kühl bleibt.
Als Datenspeicher sirrt unhörbar eine 160 GByte-Festplatte von Hitachi...und wieder einmal stellt sich die Frage, was um Himmels willen man bei so einem kleinen Notebook mit so viel Speicherplatz anfängt. Nun - Erfahrung macht klug: Auf jeden Fall werde ich den Zyklus für die Datensicherung verkürzen...man weiß ja nie.
Erfreulich ist die Ausstattung des Kleinen mit allen möglichen drahtlosen Kommunikationsschnittstellen: WLAN 802.11 b/g und Bluetooth sind serienmäßig an Bord, eine UMTS-Karte kann nachgerüstet werden. Das lässt zumindest bei mir keine Wünsche offen.
Das mitgelieferte Benutzerhandbuch gibt übrigends über die Erweiterbarkeit des Gerätes beispielweise um Arbeitsspeicher keinerlei Auskunft. Insgesamt verträgt der Acer maximal 2 GB RAM, leider verfügt er nur über eine Speicherank, die bereits belegt ist. Aber immerhin kann man den 1 GB-Riegel recht einfach gegen einen mit doppelter Kapazität austauschen.
Also lässt sich auch bei den technischen Daten eigentlich nichts finden, was gegen den Einsatz als semiprofessionelles Gerät spricht. Dennoch - gefühlt ist der AO751 etwas langsamer als der AO150, in dem ein Intel Atom 270 gewerkelt hat. Im Alltag wirkt sich das dann so aus, dass der ganze Rechner bei vielen Aktionen etwas zäh reagiert: Das Öffnen von Programmen dauert länger, die Bearbeitungsfunktionen der Bildverarbeitung konsumieren etwas mehr Zeit. Alles nichts, was einem das Arbeiten wirklich vermiesen würde. Und zum Schauen einer DVD reicht die Kapazität auch noch aus. Immerhin bekommt man um den Preis der geringeren Geschwindigkeit eine sehr lange Laufzeit und einen komplett geräuschloses Notebook.
Software
Obwohl die Leistung sicher auch den Einsatz von Windows Vista möglich gemacht hätte, ist auf dem Acer Windows XP Home installiert. Um so besser, den lahmen XP-Nachfolger mit seinen überflüssigen optischen Gimmicks braucht kein Mensch. Genausowenig wie das vorinstallierte Office 2007 Home / Student in einer 60-Tage-Testversion. Eine der ersten Handlungen war denn auch, eben jenes zu deinstallieren. Auf den Fuß folgte dabei das ebenso vorinstallierte Microsoft Works.
Obwohl kein optischen Laufwerk verbaut ist, gehört Cyberlink PowerDVD zur Palette der vorinstallierten Softwarepakete, außerdem sage und schreibe 18 Spiele, die anzuschauen ich mir noch nicht die Mühe gemacht habe.
Datenträger, um Windows oder die anderen vorinstallierten Softwarepakete zu einem späteren Zeitpunkt neu zu installieren liegen der Verpackung nicht bei, aber ein installiertes Dienstprogramm macht die Erstellung von Recovery-CDs möglich, wenn man denn einen externen CD-Brenner anschließt.
Fazit
Zugegeben, vor mir steht ein sehr spontaner Schnellkauf: Nahezu uninformiert bin ich in den erstbesten Elektronikmarkt gestolpert und habe mir den Acer Aspire One 751 im Wesentlichen nach den Kriterien Akku-Laufzeit, Displaygröße und Aussehen ausgesucht. So eine Aktion kann leicht daneben gehen. Aber es scheint, als hätte ich hier wirklich mal einen guten Griff getan. Die Leistung reicht ganz sicher aus für normale Office-Aufgaben, einfache Bildbearbeitung oder - wie in meinem Fall notwendig - Softwareentwicklung im kleinen Rahmen. Dazu erfreut der Acer mit einem hochwertigen Äußeren und einer ziemlich brauchbaren Tastatur, ist klein, leicht und für die gebotene Ausstattung ziemlich preiswert. Ich werde wohl ein Netbook-Fan bleiben.
Empfohlenes Zubehör und Erweiterungen
Hülle / Notebooktasche
Wohl, weil der Aspire One 751 noch ziemlich neu auf dem Markt ist, gibt es wenig Zubehör, welches namentlich auf ihn zugeschnitten ist. Was sich bereits bei meinem ersten Netbook bewährt hat, ist eine kleine stoßsichere Umhüllung für den Transport. Ich mag besondern die Hüllen, die Cool Bananas anbietet. Die für den Samsung NC20 vorgesehenen Taschen passen auch für den Acer, der fast die gleichen Abmessungen hat.
Arbeitsspeicher
Im Aspire One 751 ist ein Steckplatz für DDR2-SO-DIMM vorhanden, der bereits durch das mitgelieferte Gigabyte Arbeitsspeicher belegt ist. Der Steckplatz ist sehr leicht an der Unterseite des Gehäuses zugänglich. Ich hatte meine Zweifel, ob eine Speichererweiterung für den Kleinen überhaupt sinnvoll ist. Mir war aufgefallen, dass es bei meiner Arbeit selten die Festplattenaktivität ist, die den Rechner ausbremst, sondern vielmehr Intels oft mit 100 Prozent ausgelasteter Atom-Prozessor Z520. Der ist tatsächlich nicht gerade für sein überschäumendes Temperament bekannt, verhält sich dafür aber termisch neutral und geht mit Energie sehr sparsam um.
Wie auch immer, ich habe dennoch das Experiment gewagt und den serienmäßigen 1 GB-Speicherriegel gegen einen DDR2-800-Baustein mit 2 GB ausgetauscht. Der Austausch selbst ist sehr unkompliziert: Man benötigt einen kleinen Kreuzschlitzschraubendreher, öffnet die den Speicher versteckende Abdeckung an der Gehäuseunterseite und wechselt danach die Module einfach aus. Nach dem Neustart des Systems werden dann auch sofort 2 GB Arbeitsspeicher gemeldet.
Es kann natürlich täuschen, aber ich habe tatsächlich den Eindruck, der Kleine würde etwas flüssiger reagieren. Einen Benchmarktest habe ich nicht laufen lassen, aber der Systemstart und der Start vieler Anwendungsprogramme geht spürbar schneller voran.
Bevor manch einer jetzt übermütig werden sollte: Es lohnt definitiv nicht, einen 4 GB-Speicherbaustein einzusetzen, denn zum einen kann Windows XP ohnehin nur maximal 2 GByte adressieren, zum anderen unterstützt der Aspire One nur bis zu 2 GB Arbeitsspeicher.
