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T-Mobile Sidekick

Motorola Sidekick Slide

Irgendwie geht eine Ära zu Ende, und keiner merkt es so richtig: Am 1. August 2009 erhielt ich von T-Mobile die schriftliche Mitteilung, dass der Service T-Mobile Sidekick zum 31. Dezember diesen Jahres eingestellt wird. Und was bei den allermeisten Menschen noch nicht einmal ein Achselzucken bewirken wird, ist für mich das Ende des unkomplizierten und preiswerten Unterwegs-Internets.

Ich musste tatsächlich nachschauen, wann ich meinen ersten T-Mobile Sidekick gekauft habe – es war 2006. Damals war das iPhone noch eine feuchte Phantasie in Steve Jobs Träumen, in billigen Netbooks verbaute UMTS-Karten für wenig Geld nicht mehr als ein Aprilscherz. Wer unterwegs vernünftig E-Mails empfangen und versenden wollte, brauchte einen Blackberry und ein großzügig ausgestattetes Spesenkonto. Und dann kam der Sidekick. So hieß er jedenfalls bei der Telekom, ePlus vermarktete die gleiche Technologie als HipTop.

Dahinter steckt im Wesentlichen auf der einen Seite ein Server, der von der US-amerikanischen Firma Danger Inc. betrieben wird. Auf der anderen Seite eine kleine Serie von Mobiltelefonen: Dem Sidekick I, Sidekick II, Sidekick III und dem Sidekick Slide. Auf dem Danger-Server hat jeder Sidekick-Nutzer eine Art "Webspace", der zum Speichern nahezu aller Informationen benutzt wird, die vom Sidekick verarbeitet werden. E-Mails, Notizen, Fotos, Kalendereinträge, Kontakte – alle diese Dinge werden, sobald der Benutzer sie in sein Telefon eingibt, automatisch auf den Server übertragen. Und das funktioniert auch in Gegenrichtung: Hat man mit einem PC eine Internetverbindung, kann man sich auf der Sidekick-Homepage einloggen und dort E-Mails oder Notizen schreiben, seinen Kalender pflegen – und die Informationen werden – übrigens buchstäblich – in Sekundenschnelle auf das Telefon übertragen. E-Mails empfängt man auf diese Weise wie bei einem Push-Mail-Service.

Will man im Internet surfen, stellt Danger einen Proxy bereit, der Webseiten für den kleinen Bildschirm des Sidekick aufbereitet und bei Bedarf Grafiken und Bilder gleich herausfiltert. So ist trotz der langsamen GPRS-Verbindung einigermaßen zugiges Recherchieren im Internet möglich.

Motorola Sidekick Slide

Die Mobiltelefone sind mit einem – zugegeben recht kleinen – Farbdisplay ausgestattet. Ich arbeite momentan mit dem kleinen und handlichen Sidekick Slide von Motorola. Bedingt durch die viele "Funkerei" ist die Standby-Zeit der Sidekick-Telefone nicht rekordverdächtig. Aber mein Slide kommt schon auf bis zu drei Tage Standby, wenn nicht allzu viel telefoniert wird. Das Schönste an den Sidekicks ist die Tastatur, die bei allen Modellen herrlich in der Hand liegt. Viele Artikel auf dieser Website sind unterwegs auf dem Slide entstanden. Ich mag diesen „innigen“ Kontakt mit dem Gerät – ich kann dann irgendwie besser texten als vor einem "normalen" Computer, der einen von dem geschriebenen Text durch die viele Optik auf dem Bildschirm immer etwas entkoppelt. Ich weiß, klingt alles etwas tiefenpsychologisch. Aber ich würde es mit dem Blick des Fotografen durch das Objektiv vergleichen – die meisten Fotografen mögen die Bildschirme ihrer Kamera auch nicht, sie schauen lieber durch die Kamera als darauf. Die Sidekick-Tastatur jedenfalls hat den Namen Tastatur wirklich verdient. Beleuchtet, damit man auch im Dunkeln arbeiten kann, liegen die Tasten in der gleichen Anordnung wie bei einer normalen Schreibmaschinentastatur. Ich weiß nicht, welcher Designer auf die Idee gekommen ist, die Tasten wie bei den meisten anderen Telefonen in ein regelmäßiges Raster zu legen. Das sieht vielleicht schick und ordentlich aus, aber als Vielschreiber haut man doch immer daneben.

Die Funktionalität des Sidekick selbst kann durch Applikationen erweitert werden, die man in einem Shop kaufen kann. Sehr nützlich sind dabei die verschiedenen Instant-Messanger, wobei in Deutschland von T-Mobile leider nur der AOL-Client angeboten wird. Für Nerds wie mich ist der Telnet / SSH-Client ein muss – immerhin ermöglicht er mir, "lebenswichtige" Linux-Systeme auch mal von unterwegs zu verwalten. Spiele und Klingeltöne haben mich niemals interessiert, werden im Shop aber ebenfalls in Mengen angeboten.

Klingt das alles irgendwie bekannt? Stimmt: Apple hat genau dieses Konzept mit seinem iPhone umgesetzt. Als Apple letztes Jahr den Service mobileME ins Leben gerufen hat, dachte ich bei mir: "Hm, hab ich irgendwie schon seit Jahren." Als der dann anfänglich mit diversen Kinderkrankheiten zu Boden ging, dachte ich: "Hm, hätte man mal bei Danger gucken sollen, wie man’s richtig macht." Ging aber nicht, denn Danger wurde im vergangenen Jahr von Microsoft gekauft. Ein Schelm, wer böses dabei denkt – ich für meinen Teil begann schon, mir Hoffnungen zu machen, dass der von T-Mobile in Deutschland immer stiefmütterlich behandelte Sidekick nun etwas Auftrieb bekommt. Vielleicht würde ja Microsoft an seinem eigenen iPhone – nennen wir’s mal MicroPhone oder so – auf Basis des Sidekick basteln. Der funktioniert momentan mit einem proprietären Java-Betriebssystem, aber das müsste ja nicht notwendigerweise so bleiben. Nicht, dass ich mir ein Windows auf meinem Telefon über alle Maßen wünschen würde – wenn es aber bedeutet hätte, dass ich weiterhin auf die gleiche Weise preiswert mobil online sein kann, hätte ich es in Kauf genommen. 15 Euro für die Internetflatrate waren ein Wort – dagegen sind die 50 Euro für einen einfachen iPhone-Vertrag wirklich kein Sonderangebot.

Diese Frage steht nun nicht mehr. Was wirklich der Hintergrund für die Entscheidung von T-Mobile war, wird man als Nutzer wohl nie erfahren. In Amerika bietet T-Mobile den Sidekick weiterhin an, in Deutschland wird aus meinem Telefon am 1. Januar 2010 ein schickes Stück Elektronikschrott. Ein Angebot über eine Vertragsänderung war von T-Mobile noch nicht zu erhalten. Vermutlich hofft man, dass ich von selbst in einem T-Punkt vorbeischaue und freiwillig einen neuen iPhone-Vertrag abschließe. Solange dieses Designer-Gadget aber keine Tastatur bekommt und der Vertrag nicht mindestens um die Hälfte günstiger wird, hofft T-Mobile in meinem Fall vergeblich. Ich werde nun wohl doch zum "Original" wechseln und in Zukunft einen Blackberry spazieren führen.

So geht eine Ära zu Ende, und niemand nimmt es so richtig wahr. Mach’s gut, Sidekick!

 

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