Einleitung
Eine der schönsten und positivsten Überraschungen auf meinem Apple Macintosh ist die im Mac OS eingebaute Datensicherung TimeMachine. Inzwischen fliegen auf allen möglichen Computern und externen Festplatten mehr oder weniger wichtige Dateien umher, und allzu leicht passiert es, dass im Eifer des Ordnung-Haltens doch mal eine Datei unwiederbringlich gelöscht wird. Schön, wenn sich ein dienstbarer Geist im Hintergrund permanent darum kümmert, alle meine Änderungen zu sichern. Insbesondere die Benutzeroberfläche zum Zurücksichern von Dateien ist gleichermaßen einfach in der Bedienung wie inspirierend im Design - da war offenbar ein lupenreiner StarWars-Anbeter im Programmierer-Team.
Time Machine sichert jede Stunde automatisch alle geänderten Dateien und hät diese Sicherungen für 24 Stunden vor. Für jeden Tag wird eine Sicherung einen vollen Monat aufgehoben, für jede Woche eine Sicherung, so lange Platz auf dem Backup-Volume verfügbar ist. Dann wird das älteste Backup einfach gelöscht.
Einen kleinen Fehler hat diese einfache, aber ausgesprochen praktische Lösung jedoch: Gesichert wird entweder auf einer externen Festplatte oder einer Apples Time Capsule. Das ist eine klein Büchse im Mac Mini-Format, die per Ethernet oder WLAN ins heimische Netz gehangen wird und dann für die Datensicherung verwendet werden kann. Aber zum einen sind diese Dinger nicht ganz billig, zum anderen scheint die Qualität nicht allzu groß zu sein, und zum dritten - habe ich hier einen schön ausgebauten Linux-Server stehen, auf dem mehr als genug Platz für die Sicherung wäre. Mit ein paar Tricks bekommt man Time Machine allerdings dazu überredet, das Backup auf einem Samba-Server unter Linux abzulegen. Und das geht so:
Erzeugen eines Backup-Volumes
Normalerweise erzeugt Time Machine das Backup Volume, in das hinein gesichert werden soll, automatisch. Das schlägt jedoch fehl, wenn das Programm es auf einem Netzlaufwerk versucht. Aber Time Machine akzeptiert ohne Murren ein vorbereitetes Backup-Volume, wenn es nach einem bestimmten Namens-Schema aufgebaut ist:
Computername_MAC-Adresse.sparsebundle
An die gesuchten Informationen kommt man am einfachsten über ein paar Kommandos auf Systemebene heran. Dazu wird zunächst ein Terminalfenster geöffnet. Besondere Rechte benötigt man dafür nicht.
Den Namen des Computers erhält man mit folgendem Befehl:
scutil --get ComputerName
Ausgabe:
MacMini-Dirk
Die Mac-Adresse ist die Hardware-Adresse des Computers im Netzwerk. In meinem Falle - also im Fall des Mac Mini - hat der Computer sogar zwei Mac-Adressen: Eine für die Ethernet-Schnittstelle, eine für das Wireless-LAN. Time Machine schaut jedoch immer nach der Mac-Adresse der Ethernet-Schnittstelle - selbst, wenn die überhaupt nicht verwendet wird. Die Mac-Adresse bekommt man am einfachsten mit folgendem Befehl heraus:
ifconfig en0 | grep ether
Ausgabe:
ether 00:26:b0:f4:01:81
Mit diesen beiden Informationen wird jetzt das Backup-Volume erzeugt:
hdiutil create -size 150g -fs HFS+J -volname TM-Backup "MacMini-Dirk_0026b0f40181.sparsebundle"
Die Größenangabe -size 150g meint tatsächlich, dass ein Volume von maximal 150 GB erzeugt wird. Da es sich allerdings um ein "mitwachsendes Volume handelt, ist es im leeren Zustand nur 100-200 MB groß. Nach dem Ausführen des Befehls liegt die Datei zunächst im Benutzerverzeichnis auf dem Macintosh, später wird sie auf das Samba-Share verschoben.
Samba-Share einrichten
Der nächste Schritt ist nun, ein Samba-Share auf dem Linux-Server einzurichten. Ich habe es bei mir der Einfachheit halber backup genannt. Damit kommt TimeMachine gut zurecht. Möglich, dass bestimmte Freigabenamen zu Problemen führen. Der entsprechende Eintrag in der smb.conf unter Linux sieht dann zum Beispiel so aus:
[backup]
path = /backup
create mode = 770
directory mode = 770
writeable = yes
write list = john
force directory mode = 770
force create mode = 770
force group = users
force user = root
Die Rechteeinstellung unterstellt, dass ich mich vom Mac aus als Benutzer John am Samba anmelde und dieser Benutzer auf dem Linux-Server Mitglied der Gruppe users ist. Außerdem sollten die Rechte auf das Verzeichnis /backup auf dem Server natürlich entsprechend gesetzt sein.
Time Machine konfigurieren
Nach dem Restart von Samba wird die neue Freigabe vom Mac Finder angezeigt und das vorbereitete Volume kann dorthin verschoben werden. Nun steht eigentlich nichts mehr im Weg, Time Machine auf dessen Existenz aufmerksam zu machen. Allerdings akzeptiert Time Machine normalerweise keine einfachen Netzwerkfreigaben als Sicherungsziele. Es gibt jedoch eine Systemoption, mit der man es doch davon überzeugen kann. Die Freischaltung erfolgt im Terminalfenster mit dem Befehl:
defaults write com.apple.systempreferences TMShowUnsupportedNetworkVolumes 1
Ein Neustart ist nach der Aktivierung dieser Option nicht erfolderlich. Anschließend öffnet man die Time Machine-Systemsteuerung, um das Volume auszuwählen. Sollte das gesuchte Samba-Share nicht in der Liste auftauchen, fehlt vermutlich noch die Anmeldung am Samba-Server. Dazu wird einfach im Finder das Share geöffnet - dabei meldet sich der Mac automatisch am Samba an. Wenn ein Kennwort dafür erforderlich ist, empfiehlt es sich, dieses im Schlüsselbund zu speichern, damit Time Machine sich künftig automatisch anmelden kann.
Bei der Auswahl des Sicherunszieles sollte man sich übrigens nicht irritieren lassen: Angezeigt wird von Time Machine nur die Freigabe. Wenn allerdings direkt im Wurzelverzeichnis der Freigabe das vorbereitete Volume liegt, wird es von Time Machine vorbehaltlos akzeptiert.
Das erste Backup wird erfahrungsgemäß etwas länger dauern - besonders, wenn man per WLAN mit dem Samba-Server verbunden ist. Da in Folge nur noch ein inkrementelles Backup gemacht wird, sind alle weiteren Backup-Durchläufe viel schneller erledigt - natürlich abhängig davon, wie viele Dateien man so verändert.
Fazit
Mit wenig Aufwand und aus Bordmitteln des Mac OS lässt sich eine zuverlässige Netzwerk-Backup-Lösung für den Mac schaffen. Ein kleiner Computer mit Linux und Samba, eine große Festplatte - oder einfach ein NAS-System - kann die Rolle der original Time Capsule von Apple übernehmen. Und schon verliert der digitale Altzheimer in Form von Plattencrash und Löschchaos seinen Schrecken.
