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Berlin, 31. August 2010

Auf dem Gipfel der Roten Wand

Gestern war ein harter Tag für mich. Der Verein Sächsischer Hochalpinisten hat den Nachweis meiner Besteigung sämtlicher Achthunderter des östlichen Westerzgebirges nicht anerkannt, da angeblich die auf dem Gipfelfoto des zuletzt erklommenen Hundsmarter erkennbare Landschaft nicht den am Gipfel zu erwartenden geografischen und meteorologischen Gegebenheiten entspricht. All der Stress mit dem Aklimatisieren, den Basislagern, den Kulis, Mulis und Sherpas - umsonst.

Nun sitze ich im Starbucks an der Ecke Kochstraße / Friedrichstraße, einen riesigen, dampfenden Milchkaffee vor mir und Bob Marley im Ohr und überlege mir meinen nächsten Schlachtplan. Es wird Herbst - ich könnte in einer spektakulären Aktion die Spree stromabwärts bis zur Arbeit schwimmen. Im figurbetonten Neoprenanzug, selbstredend. Um auf das Verkehrschaos in China aufmerksam zu machen und Länder mit Führungsanspruch - wie zum Beispiel Deutschland - zur Entwicklung alternativer Verkehrskonzepte aufzurufen.

Nein, ich sende einen Brief an das Kanzleramt, in dem ich den Eingang der Bestellung eines Kleinreaktors von Typ Pripjat IV bestätige und die Lieferung für den 13. Oktober ankündige.

Auch nicht spektakulär genug. Ich kaufe mir einen Jollenkreuzer - Segeln wollte ich ohnehin schon lange mal wieder - und biete Michael Ballack das Kapitänsamt an. Dann nehmen wir an der härtesten Regatta der Welt teil und lassen Team Oracle-BMW mal so richtig blass aussehen. Vermutlich spendet Larry Ellison anschließend aus lauter Frust und Langeweile die Hälfte seines Vermögens in eine wohltätige katholische Stiftung. El Capitano hätte endlich wieder gute Presse und ein gutes Werk wäre auch vollbracht. Ja, diesen Plan sollte ich ganz oben auf die Liste setzen. Problematisch könnte nur die Sache mit der Stiftung werden, wenn sich herausstellt, dass der zuständige Bischof eine Obsession für den Knabenchor hat, die sich mit reiner Hingabe zur Musik allein nicht erklären lässt.

In der Bärenschützklamm

Besser ist's, ich stecke Larry per E-Mail, dass Steve Jobs ihm ein manipuliertes iPhone zukommen hat lassen, das ohne sein Zutun kompromittierende Fotos von ihm und seiner Umgebung macht und an die Website Wikileaks sendet. Damit löse ich eine Schlacht zwischen zwei der größten IT-Unternehmen der Welt aus. Als ich dann noch bei Google lanciere, dass Mark Zuckerberg heimlich Wikileaks gekauft und in Facebook integriert hat, bricht vollends die Hölle los. Der US-Präsident macht von seiner neuesten technischen Errungenschaft Gebrauch, erklärt den Verteidigungsfall und schaltet das Internet ab und erhöht die Ungenauigkeit von GPS gemäß den Vorschriften von DefCon IV. Daraufhin verfehlt ein Airbus A 380 die gerade neu eröffnete Landebahn 2 des Flughafen Schönefeld bei schlechter Sicht um siebzehn Meter. Alle Passagiere und Besatzungsmitglieder können sich unverletzt über Notrutschen retten, der Vorfall löst jedoch eine Diskussion um die Flugsicherheit und die Ausbildungsqqualität der Piloten aus. Die Pilotenvereinigung Cockpit reagiert empört auf einen Bericht, in dem behauptet wird, eine übliche Praxis wäre es, auf Langstreckenflügen den Bordcomputer mit einer Portable-Version von Grand Theft Auto zu füttern.

Nein, das führt in eine unerfreuliche Richtung. Ich glaube, ich kauf mir lieber eine Fahrkarte nach Schwarzenberg und unternehme einen erneuten Besteigungsversuch des Hundsmarter. Vielleicht überzeuge ich die sächsischen Hochalpinisten ja dieses Mal.

 

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